“Ich bremse auch für Tiere”

Veröffentlicht am Mittwoch, 16 März, 2005 um 1:07 von AS.
Kategorien:Satire & Zynismus.

Schön für dich!
“Ich bremse auch für Tiere”

Kennt ihr auch diese Asphaltgurken bei denen auf der Heckscheibe oder am Kofferraum der Aufkleber “Ich bremse auch für Tiere” klebt? Ok, rhetorische Frage, jeder kennt diese Spezies Autofahrer, die sich ihre ach so gut gemeinte Tierliebe auf ihren fahrenden Untersatz kleben. Aber egal wie oft wir sowas sehen, haben wir uns mal wirklich Gedanken gemacht, was das für Menschen sind? Nach dieser kleinen Studie werdet ihr diese Deppen des Strassenverkehrs auch mit ganz anderen Augen sehen.


Was ist das für ein Typus Mensch, der sich sowas auf sein Auto klebt? Um das zu ergründen müssen wir zunächst in das Allerheiligste dieser Menschen vordringen - in den privaten Lebensraum. Alle diese Leute haben oder hatten mindestens 1 oder meistens eher mehr Haustiere in ihren eigenen 4 Wänden.

Als erstes werfen wir einen Blick auf diejenigen, die einmal ein Haustier HATTEN. Das sind zum Beispiel solche, deren Kätzchen z.B. vor dem Haus herumgestreunert ist, bevor es irgendwann vom Zwillingsreifen eines 40 Tonners laut hupend in den Fahrbahnbelag gepresst wurde und seitdem mehr an eine Pizza Calzone erinnerte aus der die Füllung schon heraus suppt. Bei diesen Leuten sitzt die Trauer so tief, dass sie insbesondere zur Fraktion der Radikalbremser auf unseren Strassen gehören. Vor diesen Fahrern kann man wirklich nur eindringlich warnen, da man wirklich jederzeit mit Allem rechnen muss.

Die wiederum, die noch ein lebendes Haustier haben und noch keine Überreste verbuddeln mussten, die sie mit dem Spachtel von der Schnellstrasse gekratzt haben, sind die etwas moderatere Spezies Tierliebhaber, aber dennoch nicht wesentlich ungefährlicher. Meistens haben diese Leute im Durchschnitt 1 Hamster, 2 Zebrafinken und 1 Hund zuhause. Alle diese Tiere sind solch innige Freunde dieser Menschen geworden, dass sie hemmungslos auf den besonderes tiefflorigen Teppich scheissen dürfen ohne sanktioniert zu werden. Das stinkt zwar ein bissel, aber Stubenreinheit ist eben nicht jedertiers Ding. Randexkurs: Ich muss dazu sagen, dass ich auch mal einen Nager hatte, der die dumme Angewohnheit besaß bei seinem Freigang immer irgendwelche Kabel anzuknabbern. Als ich damals durch diese Kauattacken bedingt mal Schnee auf meinem Fernseher und einen Boxenausfall an meiner Musikanlage hatte, weil sowohl Boxen- als auch Antennenkabel nicht abschreckend waren, habe ich die Wanderwege meines Nagers fortan in die Küche dirigiert. Dort habe ich das Starkstromkabel meines E-Herds kurzzeitig vor, anstatt hinter dem Herd verlegt. Schon am ersten Tag und nach einem kleinen Funkenflug war die Lektion für meinen Nager gelernt.

Gehen wir aber nun mit diesen Menschen auf die Strasse ins Auto bzw. wir fahren genau hinter diesen Menschen her. Meistens finden sich auf solchen Autos auch noch Aufkleber wie “Anne-Marie an Board”, “Phantasialand” und “Ein Herz für Kinder”. Diesen Aufklebern soll aber jetzt nicht unsere Aufmerksamkeit gelten, obwohl auch diese wirklich absolut schmückend an jedem Vehikel aussehen und brisante Kernaussagen beinhalten. Als erstes stellen wir vielmehr fest, dass diese Leute nicht nur für Tiere bremsen, die die Fahrbahn kreuzen, sondern auch für Tiere, die sich links und rechts neben der Fahrbahn bewegen - also eigentlich immer. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um den Gassi gehenden Köter handelt, der gerade wieder seinen Dünnschiss auf dem Gehweg verteilt oder auch nur um das Rudel Tauben, das wieder von Oma Kawuttke vor der Sparkasse gefüttert wird. Man muss wirklich alle paar Meter auf eine Gefahrenbremsung vorbereitet sein und besondere Achtsamkeit ist das höchste Gebot. Meistens ist jedoch die Möglichkeit einen Crash mit diesen Menschen zu verhindern recht gut, sofern man sich innerorts befindet, da das Tempo eher moderat anzusehen ist. Auf jeden Fall sollte man aber in einer solchen Situation die Hupe ganz tief und lange durchdrücken. Wenn man Glück hat, würgt der Vordermann dabei seine Karre ab und man kann noch länger hupen. Wann hat man heutzutage schonmal diese Gelegenheit, außer, wenn man sonst mal mit unverringerter Geschwindigkeit über für Fußgänger sicher geglaubte Zebrastreifen donnert.

Weitaus gefährlicher wird es allerdings, wenn man sich mit diesen Kamikaze Tierliebhabern des Nachts oder auch tagsüber auf die Landstrassen oder Autobahnen begibt. Wenn auch nur ansatzweise ein Tier im Lichtkegel der Schweinwerfer, und sei es in 1 Kilometer Entfernung, wo man normalerweise kaum eine Litfaßsäule von einer Pershing unterscheiden kann, auftaucht, tritt der pflichtbewusste Tierliebhaber das Bremspedal ruckartig bis auf das Bodenblech durch. Dabei ist es egal, ob es sich um ein kleines, räudiges Karnickel mit Tollwut oder um einen brünftigen Zwölfenderhirsch handelt, der über die Strasse schlendert. Irgendwas assoziiert diesen Autofahrern dann den unbedingten Bremsimpuls.

Diese Deppen der Landstrasse, die über einen ausgesprochenen pazifistischen Instinkt verfügen, sind in gleichem Maß gerne zu einer übergroßen Selbstkasteiung bereit. Genauer gesagt heisst das, dass nichts inkl. Aquaplaning, vereister Fahrbahn oder sonstige, widrige Umstände diese Fahrer am Bremsen hindern können. Dabei ist es egal, ob bei dieser Vollbremsung das Kleinkind aus dem Kindersitz gegen die Frontsitze fliegt und mit einem Schädelbasisbruch im Fond verreckt oder ob sich der Fahrer selbst mit kapitalem Blechschaden irgendwo in der umliegenden Landschaft wiederfindet - Hauptsache Tier gerettet. Was ich sagen will ist, dass man diese Leute unbedingt erst nehmen muss. Das ist ganz anders als z.B. bei den Autofahrern, die einen Sylt Aufkleber am Auto haben und nicht mal geographisch einordnen können, wo Sylt überhaupt liegt.

Was heisst das aber nun für uns als nachfolgendes Fahrzeug? Im Grunde haben wir nur wenig Möglichkeiten.
1) Wir versuchen auch zu bremsen. Diese Möglichkeit ist aber gleichermaßen aberwitzig und nicht vielversprechend. Viel höher sind dabei hingegen die Chancen, dass man einem solchen Dummbremser nahezu ungebremst hinten drauf scheppert oder sich selber vor die Leitplanke setzt. Falls man sich für diese Möglichkeit entscheidet, sollte man im anschliessenden Gespräch mit dem Vordermann, sofern beide überlebt haben, diesem “schlagkräftig” sein Fehlverhalten aufzeigen.
2) Diese Möglichkeit ist sicherer und weitaus lustiger. In dem Moment, wo der Vordermann in die Eisen geht, treten wir aufs Gas und ziehen mit einem gekonnten Ausweichmanöver am ihm vorbei. Wenn wir dabei Glück haben, können wir dem Tierchen auf der Strasse auch noch eines mitgeben. In diesem Fall hat sich für den Bremser wenigstens der Aufwand gelohnt, da er an Ort und Stelle noch um das verreckte Tier trauern kann. Meistens bleiben solche Tiere verängstigt im Schweinwerferkegel des Autos stehen und wir können gezielt draufhalten.

Und die Moral von der Geschicht? Des Einen Leid, ist des Anderen Freud’!

7 comments.

Rennschnecke

Comment am Sonntag, Oktober 22, 2006.

Zunächst mal ein Wort an den Verfasser des Textes: Ich wußte zwar nuicht, daß ein Mensch ohne Herz lebensfähig ist, aber der Autor dieses Artikels hat mich vom Gegenteil überzeugt. Mein Berufswunsch ist Lokführer, und ich würde sogar mit meinem ICE bei Tempo 250 km/h für Tiere bremsen! Ja, wirklich!!! Und wenn ich durch die Notbremsung den Bistro abräume, geht mir das relativ am Arsch vorbei, denn ein zerbrochener Teller ist ja nur totes Material und kein Lebewesen. Ein Tier aber hat Augen, gibt Wärme und hat Gefühle!!! Einen Teller kann man neu kaufen, ein Tier nicht. Und wer jetzt sagt, daß das kaputte Geschirr Geld kostet, ein totes Bambi dagegen nicht, der hat wirklich kein Herz, so deutlich muß ich das einfach mal sagen. Einer, der sagt, eine Schnellbremsung bringt nichts, dem muß ich hier jetzt einfach mal widersprechen, denn da sich bei einer Schnellbremsung die Geschwindigkeit des Zuges um ein Vielfaches verringert, und das innerhalb von wenigen Sekunden, hat Bambi dann mehr Zeit, übers Gleis zu kommen, als wenn der Zug bei vollen 250 km/h darauf zusteuert. Wenn man das Tier entsprechend früh erkennt, erhöht sich die Überlebenschance für das Tier nochmals um ein Vielfaches. Wenn man zum Beispiel bei Nacht das Fernlicht einschaltet (es ist schließlich nicht zur Dekoration da!!!), kann ein Lokführer die nachtaktiven Tiere früher erkennen als mit dem normalen Spitzenlicht. Doch die meisten Lokführer fahren ja ohne, weil es ja so anstrengend ist, bei Gegenverkehr abzublenden. Zudem haben ja viele Fahrzeuge wie die E 120 oder der ET 420 noch gar kein Fernlicht, und für deren Nachrüstung sei momentan noch kein Geld da. Aber dafür für den Gang an die Börse, Stuttgart 21 und sonstigen Scheiß- und dafür, daß der Herr Mehdorn jeden Monat 50 000 Euro in seine Taschen schiebt, dafür aber ein Lokführer mit drei kleinen Kindern mit 2000 Euro Brutto abgespeist wird. Und von ihm und seinen hohen Herren in der Konzernzentrale wurde ja auch entschieden, daß ein Tier nicht als Betriebsgefahr zu sehen ist. Ach, nein??? Gefahr für Leib und Leben- lebt ein Tier etwa nicht??? Haben Sie, Herr Mehdorn, im Biologieunterricht etwa immer gefehlt?? Sei´s drum- ich ziehe jedenfalls den Hut vor jedem Lokführer, der für Tiere bremst!!!
Liebe Grüße von der Rennschnecke

Tobias Claren

Comment am Montag, November 13, 2006.

Ey “Rennschnecke”

Bloß nicht die DB lesen lassen, dann ist es aus mit dem Traum.
Evtl. weiß eine regionale Gesellschaftnicht bescheid und es klappt mit der Bummelbahn.

Das bedeutet das Knast, wenn die Leute durch den Zug fliegen.
Mit Glück verreckt hinten drin keiner…..

Wenn es im Internet irgendwo einen guten Scan von “Bitte halten Sie Sicherheitsabstand, ich bremse auch für Tiere” bitte melden.

Ich will mir den abwandeln und auf Aufkleberfolie drucken.

Stanley

Comment am Freitag, November 28, 2008.

Hilfe, ich bin nicht im Durchschnitt..ich habe 12 Zebrafinken ;)

Mal im Ernst, ich finde diese Aufkleber total dusselig!

Stanley

Crazyrocky

Comment am Sonntag, Dezember 14, 2008.

Haha, wie geil, passend dazu http://www.crazylifeblog.de/20-grunde-gegen-tierliebhaber.php

Tuning

Comment am Donnerstag, Mai 14, 2009.

ES gibt doch auch noch Aufkleber wie “Ich bremse nur für Biere”. Welche Spezies Mensch klebt sich dann so etwas aufs Auto ?
Daneben sind dann auch noch Bitte ein B.. Aufkleber.

stino

Comment am Mittwoch, Juli 7, 2010.

Steht AS möglicherweise für arrogant und stupid ???

AS

Comment am Freitag, Juli 16, 2010.

Um deine Frage zu beantworten, stino - wofür AS steht, kannst du im Impressum gerne ersehen und vorher bitte ich dich zur Kenntnis zu nehmen, dass du hier auf einem Blog bist, welcher partiell Ironie o.ä. erhält, was mitunter sogar im Kopf eines Beitrags verzeichnet steht. Man kann sich sicher darüber streiten, ob das nun ein Meisterwerk oder eher schwach im Gegensatz zu einigen anderen Outputs, aber dafür muss man die Intention des AS überhaupt erst einmal im Ansatz verstehen.
Danke
AS

Einen Kommentar hinterlassen

Zur Kommentierung ist es erfordelich den Namen und die Emailadresse (wird nicht veröffentlicht) anzugeben




IMPORTANT! Um sicher zu stellen, dass du ein Mensch aus Fleisch und Blut bist, hier eine kleine, dumme Rechenaufgabe :-)

Wieviel ergibt 2 + 10 ?
Please leave these two fields as-is:

Powered by WP Hashcash