… noch 2-3 Tatsachen, die mir in diesem Land am Herzen liegen, wäre ich sicher schon lange hier weg.
Ich bin sicher, dass ich wegen der deutschen Politik irgendwann noch Magengeschwüre oder schlimmeres ausbrüte, wenn ich mir die politischen Kapriolen mit schöner Regelmäßigkeit reinziehe. Kann sich ein Volk eigentlich wirklich für so dumm verkaufen lassen, wie es diese Regierung derzeit mit uns veranstaltet?
Ich meine, ist es nicht schön zu erfahren, dass wir eine niedrigere Neuverschuldung, verglichen mit dem Vorjahreshaushalt, planen? Aber der geneigte Steuerbürger soll nun bloß nicht glauben, dass ihm das etwa eine Entlastung bringen könnte. Was zählt schließlich das innerdeutsche Budget, wenn es doch gilt, viel höhere Ziele zu stemmen, wie beispielsweise unsere Währungsunion. Wie ich bereits in vorigen Beiträgen skizzierte, ist es ja kein Problem, mit 3-stelligen Milliardenbeträgen für Länder einzustehen, welche nur vorgeschobenen Reformwillen zu besitzen scheinen und die auch schon damals, als diese Schnapsidee entstand, nicht annähernd die Maastricht Kriterien erfüllten. Und diese halbherzige Meisterleistung verdient es jetzt, dass wir einen Staat, der seine Bürger mit 50 in Rente schickt, durchsanieren und subventionieren. In Deutschland heben wir dafür alle paar Jahre das Renteneintrittsalter an, senken proportional die Renten ab, so dass meine Generation, und die danach sowieso, irgendwann mit 70 Jahren noch am Rollator zur Arbeit begleitet werden muss. Da feiern die Griechen schon seit 20 Jahren von morgens bis abends mit Sirtaki und Ouzo.
Warum auch nicht, Subventionsabbau in Deutschland gibt mehr Raum zum Subventionsaufbau der Griechen. Und hey, vergessen wir nicht die enorme Tragweite dieser Europäischen Währungsunion, ohne der es ja Deutschland auch ach so schlecht ginge. Das muss man uns nur oft genug einreden, damit man vielleicht vergisst, dass wir auch zu Zeiten der D-Mark schon Exportweltmeister waren. Dass diese Währungsunion aber mittlerweile eine immense Tragweite für Deutschland hat, ist in einem Punkt unstrittig. Rennt die Währungsunion, vorab die Griechen mit wehenden Fahnen, dahinter Italien oder Spanien, vor die Pumpe, dann stehen wir mit unseren über 200 Milliarden an Garantien, Barmitteln und den dann wertlosen Eurobonds in der Kreide. Insofern ist es also korrekt, dass der Fortbestand der Währungsunion für uns enorm wichtig ist.
Und, wer sich gerne von den Worten einer Kanzlerin verkackeiern lässt, der glaubt sogar solche Aussagen, dass noch niemals Länder, die in einer Währungsunion waren, gegeneinander Krieg führten. Oh ja, diese Weisheit ist bahnbrechend und die Relevanz nicht von der Hand zu weisen. Wie überaus allgegenwärtig war denn vor dem Euro Projekt die Gefahr, dass die Holländer bei uns einmarschierten oder, dass gar die Eidgenossen planten, das gesamte Allgäu zu annektieren. Ein wahrlich triftiger Grund, dass man dieses Projekt ohne Boden benötigt.
Es tut mir leid, liebe Leser, wenn ihr von meinem Euro-Zorn und dem starken politischen Stammtischeinschlag hier in letzter Zeit genervt seid, allerdings gehen diesbezüglich gerade die Gäule mit mir durch. Würde ich es nicht sagen, würde mir niemand glauben, dass ich sogar ein Wähler der aktuellen Regierungskoalition bin und ich werde, sofern es nicht ernsthafte Alternativen gibt, wohl zum Nichtwähler mutieren. Die SPD kann ich leider nicht guten Gewissens aufgrund ihrer Pläne zum Spitzensteuersatz unterstützen und leider muss ich den Grünen auch bescheinigen, dass sie ihre politische Fahne zu sehr nach dem Wind wehen lassen. Das beste Beispiel dafür, das dürfte wohl der erste grüne Ministerpräsident sein, der seine restriktive Einstellung bzgl. eines Projekts wie Stuttgart 21 nach seiner Wahl jeden Tag von Neuem revidieren muss. Großartige Leistung.
Hier herrscht derzeit eine solche Schnellschußpolitik, dass man sich fragen muss, ob unsere Politiker nur noch nach Prestige und nicht nach Vernunft handeln. Schaut man sich beispielsweise den Schnellschuß an, mit dem man die Atomenergie vom Netz nimmt, dann ist der gescheite Mitteleuropäer schon damals in der Lage gewesen zu erkennen, dass die massive, sofortige Abschaltung von eventuellen Ausfällen in den stromintensiven Wintermonaten bedroht wird. Eine Zeit, die unsere unterentwickelten, alternativen Energien nicht so einfach kompensieren können. Und was hören wir; die Politik wirkt geradezu erstaunt, dass so etwas passieren könnte. Hat man sich damals also nur vom emotionalen Supergau in Japan leiten lassen? Anscheinend, denn ein solcher Beschluß ist logisch in diesem Fahrplan zeitlicher Natur überhaupt nicht nachvollziehbar. Ob dadurch der Bürger, den man mit deutlich steigenden Strompreisen zur Kasse bitten wird, seinen eigenen Supergau erlebt, interessiert ja niemanden. Die Wähler müssen schließlich nur einmal alle 4 Jahre versöhnt und belogen werden, damit man sie die kommende 4 Jahre verkohlen kann. Apropos Kohle, die Kraftwerke, die man dann für harte Stromzeiten zuschaltet, sind laut Plan der Regierung alles Kohlekraftwerke, die unsere CO2 Bilanz deutlich in die Höhe jagen, aber hey, Hauptsache, die böse Atomenergie ist abgedreht.
In diesem Land braucht es ernstzunehmende, politische Alternativen, die keine Prestigepolitik zu Lasten ihrer Bürger veranstaltet. Deutschland soll gefälligst auch mal den Mut haben, sein häßliches Gesicht zu zeigen und ein wenig an sich selbst zu denken. Leider haben wir Deutsche nicht die Mentalität, unseren Unmut auch mal über länger und in großen Massen auf der Straße laut zu machen und genau darum sind die Chancen, dass wir mal auf die wahre Meinung des Volkes hinweisen, sehr gering. Schade Deutschland und ein wenig schäme ich mich dafür, dass ich nicht aktiv in einem Land werde, was sich kontinuierlich zugrunde wirtschaftet.
Immerhin tat es gut, sich mal wieder Luft zu machen.
Es grüßt mit hohem Blutdruck
AS