Veröffentlicht am Freitag, 8 Januar, 2010 um 11:33 von AS.
Kategorien:Reimtime & Prosa.
Mein Vater war ein einfacher Mann. Er konnte Stunden damit zubringen, Puzzleteile zu verbinden und Rätsel zu lösen. Weder verstand ich seine Begeisterung für diese Dinge, noch meine Mutter, die ihm geduldig zur Seite saß, häufig Lösungsansätze soufflierte und Puzzleteile in die Nähe der passenden Stellen mänovrierte. Immer wenn das geschah, sagte er einfach “ach Lilo” und lächelte. Ihr milder Gesichtsausdruck, den er schon weit über 40 Ehejahre an ihr liebte, formte ebenfalls ein Lächeln und alles, was über ihre Lippen kam, war nur ein “ach Will”.
An einem dieser Tage, wo ich ihn wieder einmal nach dem Antrieb, seiner Faszination an diesen Dingen befragte, sagte er:
“Mein Sohn,” - er redete mich nie mit meinem Vornamen an - “es gibt mir Geduld und Ruhe. Vielleicht wirst du auch eines Tages daran Freude finden und mich dann verstehen.” Lilo nickte ihm lächelnd zu.
Im Mai des Jahres 2005 starb mein Vater.
Wann immer ich mit meiner Mutter an seinem Grab verweile, würgt sie unter Tränen ein “ach Will” hervor. Ob ich das Puzzle, das Rätsel, was er mir mit seinem Tod hinterließ, jemals zu lösen vermag, weiß ich nicht.
“Ach Vater.”
Veröffentlicht am Montag, 30 November, 2009 um 15:43 von AS.
Kategorien:News & Ich, Satire & Zynismus.
Da wir aufgrund des Schweizer Volksentscheids auch wieder eine heiße Debatte in Deutschland haben, mögen sich bitte insbesondere die aufgebrachten Vertreter der Minarett Befürworter folgendes überlegen:
Große Gemeinden von tiefgläubigen Christen siedeln sich in größeren Mengen in streng islamisch geprägten Ländern an. Um ihrem Glauben authentisch und vollendet nachgehen zu können, genügen den deutschen Gemeinden in diesen Ländern nicht mehr die Gotteshäuser, in denen sie einkehren können, sondern sie stellen fest:
“Zu einer Kirche gehört immer mindestens 1 hoher Glockenturm”
Darum, liebe Minarett Befürworter, überlegt, ob und wie ihr in diesen Situationen entscheiden würdet, wenn starke Christianisierung in euren Ländern stattfinden würde. Wie hoch ist eure Toleranz, wie hoch muss unsere sein?
Es grüßt kritisch
AS
Veröffentlicht am Dienstag, 24 November, 2009 um 15:31 von AS.
Kategorien:News & Ich.
Bereits gedruckt und wohl ab 15. Dezember lieferbar ist das neueste Sammelwerk in Form einer Anthologie, wo auch mich wieder mit ein paar schmalen Zeilen einbringen durfte. Eine kurze Voransicht und nähere Informationen finden sich hier:
anthologie - blauer salon
Und damit es nicht in Vergessenheit gerät, sowie ein bisschen Werbung in eigener Sache, wo es noch die eine oder andere, verbale Eskapade von mir zu lesen gibt, sei mal an dieser Stelle an das allmächtige Amazon verwiesen, wo man unter den Suchwörtern
- Liebestrauer (Lerato Verlag)
- Shaved ! … der intimrasierte Mann (Jo Schwanewilms)
fündig wird.
Grüße
AS
Veröffentlicht am Dienstag, 13 Oktober, 2009 um 11:54 von AS.
Kategorien:Reimtime & Prosa.
Den Gläubigern der AG haftet nur das Gesellschaftsvermögen
Stirn zum Gestirn
der Bankesblick
handverschlungen
und odemnah
Namen indes
gaben wir nie
nur mal Nummern
und Kataster
Veröffentlicht am Donnerstag, 17 September, 2009 um 12:36 von AS.
Kategorien:News & Ich.
Ich freue mich über die Kastanie auf meinem Schreibtisch, die mir heute morgen ein Schulkind an der Ampel gab (in der Nähe steht ein Kastanienbaum und die Gegend um die Ampel herum ist gespickt von aufgeplatzten Schalen und den Früchten selbst). Es gab sie mir mit den Worten:
“Möchten Sie eine Kastanie?”
Ich erwiderte, warum sie diese denn nicht selber haben wolle und sie sagte:
“Lisa wollte sowieso nur 3 haben.”
Aha, sie sammelte also welche für ihre Freundin mit und ich sagte, dass sie die dann doch einfach für sich selbst behalten möge, wenn Lisa nur 3 will. Darauf erwiderte sie:
“Dann habe ich aber 4 und Lisa ist traurig, weil ich mehr habe.”
Da ich also Lisa nicht traurig machen wollte, um nicht die Freundschaft der beiden zu gefährden, öffnete ich meine Hand und nahm die Kastanie. Sie wird mich wohl noch ein paar Tage auf meinem Schreibtisch an diese Begegnung erinnern. Jedenfalls war das sehr rührig für mich.
AS
Veröffentlicht am Dienstag, 18 August, 2009 um 13:52 von AS.
Kategorien:Reimtime & Prosa.
Man riecht den Flieder hinter der Scheune,
Eggen überwuchert von verlorenem Kinderlachen und Disteln.
Die Tür vom Gewächshaus
mit Scheiben aus Moos und Kussduft
quietscht noch immer das Lied
von Körpersaat und Tomatenranken.
Und unter dem alten Kirschbaum
ritze ich neu das Herz in die Rinde
von Sommersprossen und Zahnspangenküssen.
Andreas + …
Veröffentlicht am Montag, 17 August, 2009 um 13:57 von AS.
Kategorien:Reimtime & Prosa.
Ihre Aufsichtspflicht haben sie vernachlässigt,
getrieben haben es ihre Seelen, hemmungslos.
Weder Pille noch Gummi haben sie benutzt,
keine Chemie, kein Überzieher für den Verstand.
Sogar zugesehen haben sie dabei, angefeuert,
wissend, dass sie dadurch schwanger werden.
Jetzt keimt die Brut in ihrem Kopf,
treibt sie ab, die Totgeburt,
das Kind der Wortmagie.
Veröffentlicht am Montag, 17 August, 2009 um 13:50 von AS.
Kategorien:Reimtime & Prosa.
Körpergalerien,
bodentiefe Dekolleté-Schaufenster,
freischwingende Mopsbeschau in C und Doppel-D moll.
Arsch-frisst-Hose-Impressionistinnen,
Body Rock Vernissage,
Perlweiss Lächeln.
Brotlose Kunst,
aber mit Erektionsgewähr
für einen Sekundenbruchteil
eines rudimentären Selbstbewusstseins.
Veröffentlicht am Montag, 17 August, 2009 um 13:46 von AS.
Kategorien:Reimtime & Prosa.
So viele Gesichter habe ich gesehen,
so viele Augen ohne Tränen,
so viele Münder, die lachen,
so viel oberflächliches Geschwätz.
Warum muss ich alle Tränen stemmen,
warum mehr Gedanken denken als ich verkrafte,
warum wurde mein Lachen gestohlen
von so vielen Gesichtern?
Warum bin ich und warum ihr?
Wann nehmt ihr eure Last zurück?
Ich kann nicht mehr.
Veröffentlicht am Freitag, 31 Juli, 2009 um 9:06 von AS.
Kategorien:Reimtime & Prosa.
Unter Platanen sitze ich,
ihr üppiges, grünes Kleid
spendet mir Schatten im Zenit
und als die Sonne versinkt,
den Rumpf der Platane kitzelt,
da merke ich mit blinzelndem Südwestblick,
dass ich noch immer im Schatten sitze.
Veröffentlicht am Freitag, 31 Juli, 2009 um 9:03 von AS.
Kategorien:Reimtime & Prosa.
Es stirbt das Rot
beim grünen Tod,
es glänzt das Blau
beim gelben Pfau,
es kratzt das Weiss
beim schwarzen Gleis.
Er ist so bunt,
der Stummfilm Hund,
und so wird Wein
manchmal nur Wasser sein
Veröffentlicht am Montag, 27 Juli, 2009 um 14:12 von AS.
Kategorien:Reimtime & Prosa, anderes Geschmiere.
… und es begab sich, dass den Usern eines Forums eine Liste an Wörtern vorgegeben wurde, aus der sie Geschichten formen sollten. Da sowas natürlich etwas ist, was ich gerne mache (aber fast verpennt hätte), hier die Wörter und meine Version, was sich daraus formte:
Sandbankdirektor
Giraffenhals
Toilettenwassertrinker
Überlebensweichei
Zeremonienmeister
Kirschkernforscher
Briefbogenschütze
Domainhoster
Donald Duck
Unterleibskrämpfe
globale Erwärmung
Katze in der Fensterbank
Sandmännchen
Zeitungsentenzüchter
Überlichtgeschwindigkeitsfahrrad
Und jetzt folgend das Produkt:
Wir schreiben das Jahr Zweitausendfumpzich, es ist, wenn man der galoppierend-inflationären, globalen Erwärmung trauen darf, ein Donnerswoch Morgen. Der Mittwoch hat sich als Alpha-Wochentag herausgestellt und herrscht unnachgiebig zusammen mit seinem Zeremoniemeister und dem Rohrstockregiment über die Monwochs, die Dienswochs und alle anderen -wochs.
Veröffentlicht am Donnerstag, 23 Juli, 2009 um 10:31 von AS.
Kategorien:Reimtime & Prosa.
Gedanken sind etwas großartiges,
sie produzieren uns,
wir produzieren sie.
Sollten wir nicht viel sorgfältiger mit ihnen umgehen?
Wird ihnen die Halbwertzeit in unserem Kopf gerecht?
Behandeln wir sie nicht nur wie mentale Hamburger?
Alles nur Konsum und Verschwendung,
zurücklassen will der Mensch nur wenig.
Meine Worte sind der Nachlass meiner Gedanken.
Veröffentlicht am Donnerstag, 16 Juli, 2009 um 15:06 von AS.
Kategorien:Satire & Zynismus.
In wievielen Gesprächen erzählen uns unsere Mitmenschen, Freunde, Bekannte und alles, was sich irgendwie artikulieren kann, wenn man sie nach den Dingen fragt, die für sie an einer/einem potentiellen Lebenspartner/in wichtig sind, dass an allererster Stelle, quasi als das non-plus-ultra, die
Inneren Werte
stehen. Man muss sich ja schliesslich verstehen können, man muss sich vor allem jenseits der offensichtlichen Eindrücke auch harmonisch zurechtfinden und genau darum wird uns jeder, nein halt ich revidiere es auf 99,99%, versichern, dass alles andere nur zweitrangig ist. Ich kann mir gerade ein kurzes Schmunzeln voller Verbitterung gar nicht verkneifen.
Bitte schaut euch doch einfach mal um, wühlt in den Impressionen eures Alltags und folgt mir gedanklich, jedenfalls ein bisschen.
Sicher erinnert sich so mancher von euch an die Person mit dem schiefen Gebiß, die euch gegenüber gesessen hat; ach und auch die Fingernägel entsprachen so gar nicht dem, was eure Vorstellung von gepflegt trifft. Ihr habt zweifelsfrei Glück gehabt, dass eure jetzigen Lebensgefährten zum Glück weit gepflegter in dieser Hinsicht sind. Ja, ihr seid Glückspilze und verkauft daher eure Partner/innen darum auch aufgrund der tollen inneren Werte und all dem, was ihr so an ihnen schätzt. Einfühlungsvermögen, Treue, Ehrlichkeit und sicher fallen dem einen oder anderen von euch noch viel mehr Tollitäten ein, was eure Partner/innen so einzigartig macht. Das Aussehen, da redet ihr ja gar nicht von und eine optische Vorstellung von einem Idealmann oder einer Idealfrau habt ihr sowieso nicht denn wir erinnern uns, was für euch wichtig ist, die
Inneren Werte.
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